Die Geschichte des Spitzenklöppelns

Klöppellehrerin um 1918

Klöppellehrerin um 1918

Das Kunsthandwerk des Spitzenklöppelns ist sehr alt. Wahrscheinlich in Italien aufgekommen, wird es seit Jahrhunderten auch in Flandern ("Brüsseler Spitze") ausgeübt. Im deutschsprachigen Raum fand es um die Mitte des 16. Jahrhunderts vor allem Verbreitung im Erzgebirge, kam von hier nach Böhmen und fand dann durch Dienstboten und einheiratende Mädchen Eingang in das Oberpfälzer Grenzland.

Als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch das Aufkommen der mechanischen Webstühle die Hausweberei zurückging und viele Familien in Not gerieten, versuchte die bayerische Regierung um 1840 als neue Heimarbeit das Klöppeln zu verbreiten. Nachdem sich auch der Niedergang der Glasschleiferei abzeichnete, beschloss man, im Grenzgebiet zwischen Waldmünchen und Waidhaus staatliche Klöppelschulen zu errichten.

1901 wurde die erste "Königlich Bayerische Klöppelschule" in Stadlern eröffnet. 1906 kam Schönsee und 1907 Tiefenbach dazu. Frauen aus der ganzen Umgebung, Mädchen schon vom siebten Lebensjahr an, erhielten nun Klöppelunterricht. Dieser fand nach dem regulären Schulunterricht statt. Der Besuch war freiwillig und kostenlos.

Die Schulen wurden Ausgangs- und Mittelpunkt für Heimarbeit. Es gab kaum ein Haus, in dem nicht geklöppelt wurde. Der Verkauf der Spitze wurde von den Klöppelschulen und von hiesigen Händlern organisiert. Die Tageseinnahme einer Klöpplerin lag bei 1,50 Mark. In den Zeiten des "Wirtschaftswunders" ließ das Interesse am Spitzenklöppeln allerdings nach. So wurden die drei staatlichen Schulen in den siebziger Jahren geschlossen.

In der Volksschule Schönsee erfolgt seitdem der Klöppelunterricht als Wahlfach. Für Feriengäste und Einheimische werden mehrmals jährlich Kurse von der Tourist-Information angeboten.