Das verlassene Dorf Bügellohe

Von der Bügellohe, eine Grenzsiedlung, die von Sudetendeutschen aus Not und Angst vor der Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg in 850 m Höhe im Schönseer Gemeindegebiet errichtet wurde, ist heute bis auf eine Hausruine und Rodungsflächen nichts mehr übriggeblieben.
In dem noch stehenen "Fleischhackerhaus" ist seit Herbst 2011 eine Dokumentation untergebracht. Die Wanderer können sich auf dieser drehbaren, liegenden "Litfasssäule" über die Geschichte der Siedlung informieren.
Die zweisprachige Broschüre dazu ist für 2,00 Euro in der Tourist-Information Schönsee erhältlich.

Wanderroute

Bügellohweg - Markierung 41 - ca. 4 km
(Ausgangspunkt Wanderparkplatz zwischen Dietersdorf und Stadlern beim "Vierziger")
Auf dem Forstwirtschaftsweg erreicht man nach ca. 3 km die Abzweigung zur Bügellohe. Hier münden der Bügellohweg und der Sautreiberweg beim "Fünfer", dem Grenzsteig an der Staatsgrenze zu Tschechien, zusammen. Der Weg zur ehemaligen Siedlung, die nach wenigen Metern durch den Wald erreicht ist, zweigt nun nach links ab. Beim Rückweg empfiehlt sich, beim Abzweigpunkt der Markierung 41 nach links zu folgen. Nach etwa 500 m erreicht man den Böhmerwaldaussichtsturm. Von der geschlossenen Aussichtskanzel bietet sich ein einmaliger Rundblick.

Zur Geschichte der Bügellohe

Etwa einen halben Kilometer auf böhmischer Seite lag früher die kleine Ortschaft Wenzelsdorf, fast ausschließlich von Sudetendeutschen bewohnt. Einige Wenzelsdorfer besaßen schon immer Grundstücke oben in der Bügellohe, also auf bayerischem Boden. Als 1945 nach dem 2. Weltkrieg die Sudetendeutschen gezwungen wurden, ihre angestammte Heimat zu verlassen, siedelten sich elf Wenzelsdorfer Familien auf ihren Grundstücken in der Bügellohe an. Zuerst errichteten sie sich in ihrer Not Baracken, in der Hoffnung, vielleicht bald wieder zurück in die Heimat wechseln zu können.
Als sie merkten, dass dieser Wunsch nicht mehr in Erfüllung gehen würde, bauten sie massive Häuser mit Feldsteinen, Ziegeln und Holz. Die Gebäude boten zwar ein Dach über den Kopf, doch die Lebensbedingungen, vor allem in den langen und schneereichen Wintern, waren hart: kein Strom, keine Wasserleitung, keine Straße erreichte die Bügellohe.

Das Leben auf der Bügellohe

Das Leben auf der Bügellohe
Schmale Steige und mit Pferdefuhrwerken nur mit Mühe befahrbare Waldwege stellten die Verbindung zur Außenwelt beim Vierziger her. Die Schüler hatten es am beschwerlichsten: Zur Schule im drei Kilometer entfernten Stadlern gingen die Kinder täglich zu Fuß hin und zurück, im Winter oft wochenlang durch meterhohen Schnee. Brauchte in der Bügellohe jemand einen Arzt, so war auch für den Doktor beim Vierziger Endstation mit dem Auto. Von dort hinauf und zurück blieb nur ein mehrstündiger Fußmarsch, um die Kranken zu versorgen.
An gute Erwerbsmöglichkeiten war oben in der Bügellohe nicht zu denken. Die Höhenlage brachte auf den Feldern nur karge Erträge. Ein paar Mark konnten sich die Bewohner beim Klöppeln, Besenbinden, Korbflechten oder Schindelmachen verdienen. 65 Personen, davon 34 Kinder, lebten nach dem Krieg in der Bügellohe, 7 Kinder wurden dort geboren. Trotz "Dorfkrug" und offener Kegelbahn wanderten die Siedler nach und nach ab. 1969 verließ der letzte Bewohner die Bügellohe - der Verfall begann.