Das verlassene Dorf Bügellohe

Von der Bügellohe, eine Grenzsiedlung, die von Sudetendeutschen aus Not und Angst vor der Vertreibung nach dem 2. Weltkrieg in 850 m Höhe im Schönseer Gemeindegebiet errichtet wurde, ist heute bis auf eine Hausruine und Rodungsflächen nichts mehr übriggeblieben.
In dem noch stehenen "Fleischhackerhaus" ist seit Herbst 2011 eine Dokumentation untergebracht. Die Wanderer können sich auf dieser drehbaren, liegenden "Litfasssäule" über die Geschichte der Siedlung informieren.
Die zweisprachige Broschüre dazu ist für 2,00 Euro in der Tourist-Information im Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee erhältlich.

Projekt "Verbinden und Zusammenwachsen – von Land zu Land"

Ein Team von Prof. Jiří Beránek wird an 3 ausgesuchten Orten (Galerie Klatovy/Klenová, Vilstalaue der Stadt Vilseck und Bügellohe bei Schönsee) LandArt-Objekte schaffen:

  • Rund um die Galerie Klatovy/Klenová wird die Landschaft der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, zugleich entsteht ein Weg mit LandArt- Kunstwerken (voraussichtlich vier).
  • In Vilseck und in Klatovy wird ein Studienaufenthalt / Workshop von zwei deutschen und zwei tschechischen Studenten stattfinden (Dauer: jeweils 1 Woche). Die neu entstehenden Skulpturen werden an der Vils-Aue aufgestellt und ergänzen den bestehenden Kunstpfad.
  • In der Bügellohe sollen Kunststudenten unter der Obhut von Prof. Beránek aus den vorhandenen Materialien (ein zusammengefallenes Haus) ein behutsam gestaltetes LandArt- Kunstwerk schaffen, das Besucher an die Geschichte des Ortes erinnert. Die Geschichte, die mit der Bügellohe und dem zusammengefallenen Haus aus Bruchsteinen verbunden ist, wird mit dem LandArt-Kunstwerk lebendig und konserviert.

Weiter wird das Projekt fotografisch von der Westböhmischen Universität dokumentiert. Aus ausgesuchten Fotografien soll eine Ausstellung (gezeigt in Galerie Klatovy/Klenová, in der Stadt Vilseck, in Schönsee im CeBB und der Westböhmischen Universität) entstehen. Weiter ist eine Publikation über die spezifische LandArt-Arbeit der einbezogenen Projektpartner und über den positiven Beitrag von LandArt für die Landschaft und die Entwicklung des Tourismus geplant.

Kunststudienaufenthalt von Studenten auf der Bügellohe

Im Rahmen dieser Aktivität werden Studenten der Ladislav-Sutnar-Fakultät für Kunst und Design der Westböhmischen Universität aktiv mit ihren Pädagogen einen öffentlich zugänglichen Workshop mit einer Dauer von 9 Tagen durchführen. Dabei werden sie in einem kreativen Prozess unter Leitung von Prof. Beránek die Geschichte der Bügellohe behutsam aufarbeiten und ein LandArt-Objekt schaffen, das diese Geschichte wiederspiegelt. Benutzt werden überwiegend Materialien, die vor Ort zur Verfügung stehen (Steine, Hölzer usw.). Vor dem Objekt wird eine Informationstafel aus Stahl aufgestellt. Bei der Vernissage dieses Kunstwerkes wird eine kommentierte Führung entlang des Wanderweges zur Bügellohe hinauf angeboten.

Leadpartner: Galerie Klatovy / Klenová

Projektpartner CZ: Westböhmische Universität Pilsen

Projektpartner DE: Stadt Vilseck, Stadt Schönsee

Projektlaufzeit: 01.02.2018 – 30.09.2020

Das Projekt wird durch die Europäische Union aus Mitteln des Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Programmes Ziel ETZ Tschechische Republik – Freistaat Bayern 2014-2020 kofinanziert.

Wanderroute

Bügellohweg - Markierung 41 - ca. 4 km
(Ausgangspunkt Wanderparkplatz zwischen Dietersdorf und Stadlern beim "Vierziger")
Auf dem Forstwirtschaftsweg erreicht man nach ca. 3 km die Abzweigung zur Bügellohe. Hier münden der Bügellohweg und der Sautreiberweg beim "Fünfer", dem Grenzsteig an der Staatsgrenze zu Tschechien, zusammen. Der Weg zur ehemaligen Siedlung, die nach wenigen Metern durch den Wald erreicht ist, zweigt nun nach links ab. Beim Rückweg empfiehlt sich, beim Abzweigpunkt der Markierung 41 nach links zu folgen. Nach etwa 500 m erreicht man den Böhmerwaldaussichtsturm. Von der geschlossenen Aussichtskanzel bietet sich ein einmaliger Rundblick.

Zur Geschichte der Bügellohe

Etwa einen halben Kilometer auf böhmischer Seite lag früher die kleine Ortschaft Wenzelsdorf, fast ausschließlich von Sudetendeutschen bewohnt. Einige Wenzelsdorfer besaßen schon immer Grundstücke oben in der Bügellohe, also auf bayerischem Boden. Als 1945 nach dem 2. Weltkrieg die Sudetendeutschen gezwungen wurden, ihre angestammte Heimat zu verlassen, siedelten sich elf Wenzelsdorfer Familien auf ihren Grundstücken in der Bügellohe an. Zuerst errichteten sie sich in ihrer Not Baracken, in der Hoffnung, vielleicht bald wieder zurück in die Heimat wechseln zu können.
Als sie merkten, dass dieser Wunsch nicht mehr in Erfüllung gehen würde, bauten sie massive Häuser mit Feldsteinen, Ziegeln und Holz. Die Gebäude boten zwar ein Dach über den Kopf, doch die Lebensbedingungen, vor allem in den langen und schneereichen Wintern, waren hart: kein Strom, keine Wasserleitung, keine Straße erreichte die Bügellohe.

Das Leben auf der Bügellohe

Das Leben auf der Bügellohe
Schmale Steige und mit Pferdefuhrwerken nur mit Mühe befahrbare Waldwege stellten die Verbindung zur Außenwelt beim Vierziger her. Die Schüler hatten es am beschwerlichsten: Zur Schule im drei Kilometer entfernten Stadlern gingen die Kinder täglich zu Fuß hin und zurück, im Winter oft wochenlang durch meterhohen Schnee. Brauchte in der Bügellohe jemand einen Arzt, so war auch für den Doktor beim Vierziger Endstation mit dem Auto. Von dort hinauf und zurück blieb nur ein mehrstündiger Fußmarsch, um die Kranken zu versorgen.
An gute Erwerbsmöglichkeiten war oben in der Bügellohe nicht zu denken. Die Höhenlage brachte auf den Feldern nur karge Erträge. Ein paar Mark konnten sich die Bewohner beim Klöppeln, Besenbinden, Korbflechten oder Schindelmachen verdienen. 65 Personen, davon 34 Kinder, lebten nach dem Krieg in der Bügellohe, 7 Kinder wurden dort geboren. Trotz "Dorfkrug" und offener Kegelbahn wanderten die Siedler nach und nach ab. 1969 verließ der letzte Bewohner die Bügellohe - der Verfall begann.